Zur Rolle des Dialogforums der Kirchen in der Region

Christoph OzasekRede

Das Dialogforum hat stets die soziale Frage aus christlicher Sicht aufgeworfen und sich mutig vorangewagt. Es hat Grenzräume des Sozialen ausgeleuchtet und konsequent den Blick auf die Missstände gelenkt. Sie haben das auf den Tisch gebracht was ohne ihr Zutun verborgen oder unbeachtet geblieben wäre, oder wie im Fall der Landräte bei der Sozialberichterstattung nicht gesehen werden will.

Herr Vorsitzender,

werte Kolleginnen und Kollegen,

liebe Esther Kuhn-Luz,

sehr geehrte Frau Pohl,

sehr geehrter Herr Dekan Merkelbach und Prälat Mack,

 

nur wenige Wochen nach der Regionalwahl 2009 fand in der Kronenstraße ein äußerst interessantes und sicherlich bis dato einmaliges Zusammentreffen statt.

 

Dieses Treffen sollte zu einem roten Faden für die weitere Zusammenarbeit in der Region werden. Auf der einen Seite des Tisches: Drei gottlose linke Humanisten, auf der anderen Seite: Zwei aufgeschlossene und herzliche Christen die den Sprung ins kalte Wasser - sozusagen den Erstkontakt - bravorös gemeistert haben, denn ein spannender Austausch in offener Atmosphäre war die Folge. Mit Frau Pfarrerin Kuhn-Luz, die dem Dialogforum bis heute erhalten geblieben ist, und Herrn Priebe, der bedauerlicherweise seine Funktion niedergelegt hat und sich nun neuen Aufgaben widmet, konnten wir schnell und unkompliziert an die Mitarbeit der Kirchen in der politischen Region anknüpfen. Vielen Dank an dieser Stelle für ihre Unvoreingenommenheit und Herzlichkeit.

 

Das Dialogforum hat stets die soziale Frage aus christlicher Sicht aufgeworfen und sich mutig vorangewagt. Es hat Grenzräume des Sozialen ausgeleuchtet und konsequent den Blick auf die Missstände gelenkt. Sie haben das auf den Tisch gebracht was ohne ihr Zutun verborgen oder unbeachtet geblieben wäre, oder wie im Fall der Landräte bei der Sozialberichterstattung nicht gesehen werden will.

Damit haben sie eine große Gemeinsamkeit mit uns LINKEN bewiesen. Denn ohne Mahnung und Widerspruch kann das regionale Schiff nicht navigieren.

 

Besonders notwendig wurde eine kritische Aufarbeitung der Handlungsweisen unserer Wirtschaftseliten. Die Finanzmarktkrise von 2008 ist noch heute nicht überwunden. Immer neue Eruptionen erschüttern die Volkswirtschaften in Europa. Und sie haben erst jüngst die Frage aufgeworfen, was denn die ethischen Leitlinien bei Investitonen sein könnten und dabei wieder den Finger in die Wunde gelegt. Denn die wirtschaftlichen Krisen unserer Zeit sind vorwiegend auf die hemmungslose und unethische Spekulation zurückzuführen. Spekulation auf Rohstoffe und Nahrungsmittel, auf Währungskurse. Viel Geld wird verdient mit tödlichen Waffen und der räuberischen Ausbeutung des Menschen und unserer Mitwelt.

 

Auch wenn wir LINKEN in der Analyse nicht beim Subjekt und seinem rationalen oder irrationalen Verhalten, seiner ethischen Leitlinien oder unethischen Verfehlungen ansetzen, sondern ausgehend von den grundsätzlichen Verhältnissen, in denen der Mensch nur ein unterdrücktes, ein verächtlichtes und geknechtetes Wesen ist, Veränderungen herbeiführen wollen, so finden wir auf dem Weg, die Gesellschaft menschlicher zu machen, viele Parallelen.

 

Vielen Dank für ihre Arbeit und ich hoffe, dass sie auch weiterhin zum Dialog angestiften. Deshalb kann ich nur sagen: Halten sie Kurs. Führen sie weiterhin Menschen zusammen, begleiten sie die Region kritisch. Auf uns können Sie zählen, auch in neuer personeller Besetzung in der Geschäftsführung.