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Rede: Fairtrade-Region Stuttgart

Christoph Ozasek

Rede von Christoph Ozasek in der Regionalversammlung Stuttgart am 28.7.2021 zu TOP 7: Fairtrade Region Stuttgart - Grundsatzbeschluss.


Herr Vorsitzender,
werte Kolleg*innen,

ausbeuterische Kinderarbeit auf Kaffee- und Kakaoplantagen, der Einsatz
gesundheitsgefährdender Pestizide, der Schwund an Biodiversität, fruchtbaren Böden und die systematische Entwaldung: Viele ethische, ökologische und soziale Fragestellungen verbinden sich mit dem Konsum von Lebensmitteln. Auf diese Zusammenhänge - und das mangelnde Engagement des Regionalverbands bei fairer Beschaffung - wies das Dialogforum der Kirchen mit der Veranstaltung „Öko? Logisch!“ im Juli 2013 hin.

Wenige Monate später brachte die Fraktion DIE LINKE den Antrag „Ökofairness bei Bewirtung und Beschaffung“ in die Haushaltsberatungen ein, mit dem Ziel einen Schwerpunkt auf die regionale, saisonale und ökologische Herstellung und Produktion zu legen, und darüber hinaus mit dem Fair-Trade-Siegel die ökofaire Beschaffung von Lebensmitteln aus Entwicklungs- und Schwellenländer sicherzustellen.

Das Ergebnis der Beratungen: Bei hauseigenen Veranstaltungen sollte schrittweise eine Umsetzung erfolgen. Darüber hinaus werde ein Austausch im Rahmen des Netzwerks der kommunalen Wirtschaftsförderung erfolgen.

8 Jahre gingen ins Land, und wir müssen leider feststellen: Der politische Impuls der Fraktion DIE LINKE ging weitgehend sang- und klanglos unter, vor allem bedingt durch mehrere Personalwechsel auf der Verwaltungsdirektorenstelle und die Unterbesetzung der Geschäftsstelle. War 2016 noch im Zuge der Neuvergabe der Reinigungs- und Cateringleistungen die Beschaffung von Bio- und Ökoprodukten angedacht, so blieb doch alles weitgehend beim status quo: Ökofairness in der Beschaffung ist nicht ablesbar. Heute steht in den Sitzungsräumen noch immer die Coca-Cola und der nicht-zertifizierte Fruchtsaft auf dem Tisch. Einzig der Stuttgarter Apfelsaft aus Streuobstwiesen in der Region sticht positiv hervor. Die kurzen, rühmlichen Versuche, eine alternative faire Brause auf den Tisch zu bringen, waren nicht von Erfolg gekrönt und wurden offenbar aufgegeben.

Erst erneute Vorstöße der Fraktionen brachten den Stein wieder ins Rollen, sodass wir heute über die Fairtrade-Region beraten. Einstimmig hat der WIV am 14.04.2021 Kriterien für das Vorhaben beschlossen. Daran wollen wir heute nicht rütteln. Die Fairtrade-Region ist ein wichtiges Signal, ein partizipativer Prozess, der bei den Erzeugern in den Entwicklungsländern wesentlich zur Verbesserung ihrer Lebens- und Arbeitsverhältnisse beitragen kann.

Allerdings darf es bei Fairtrade-Kaffee und „einem weiteren Produkt aus fairem Handel“ beim Verband selbst nicht bleiben. Die öffentliche Hand hat eine immense Einkaufsmacht, die sie nutzen muss, um die nachhaltigen Entwicklungsziele konsequent voranzubringen. Ökofaire Beschaffung muss daher grundsätzlich gelten. Der Beschluss aus den Haushaltsberatungen 2013 ist erst dann umgesetzt, wenn die Coca-Cola vom Tisch ist.

In diesem Sinne, Herr Zwanziger, freuen wir uns auf weitere fruchtig-spritzige Limonaden-Experimente mit Ihnen, auch wenn der ein oder die andere anschließend das Hemd wechseln muss.

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