Förderung des "Cradle-to-Cradle"-Prinzips
Antrag zur Haushaltsberatung 2016 im Ausschuss für Wirtschaft, Infrastruktur und Verwaltung
Ergebnis:
Alternativvorschlag der Verwaltung im Ausschuss für Wirtschaft, Infrastruktur und Verwaltung am 18.11.2015:
Das Cradle-to-Cradle- Prinzip wird in die IBA- Überlegungen eingebracht und ein Fachtag dazu organisiert.
Antrag zur Haushaltsberatung 2016 im Ausschuss für Wirtschaft, Infrastruktur und Verwaltung
Die Verwaltung prüft in Kooperation mit der Wirtschaftsförderung Region Stuttgart eine Anwendbarkeit des „Cradle-to-Cradle“-Prinzips der Ökoeffektivität innerhalb der Region und richtet hierzu einen Fachtag aus. Hierbei sollen bestehende Initiativen und Aktivitäten zur Förderung des Gedankens von „Cradle-to-Cradle“ innerhalb der Region zusammengetragen und bewertet werden, sowie die Gründung eines „Initiativclusters Redesign“ für die Region Stuttgart erörtert werden. Im Anschluss wird der Regionalversammlung über die Ergebnisse Bericht erstattet.
Begründung:
Das Prinzip Ökoeffektivität („cradle to cradle“) des deutsch-amerikanischen Chemiker/Architektenteams Michael Braungart und William McDonough setzt sich zum Ziel, durch Adaption natürlicher Stoffkreisläufe Abfälle als Rohstoffe zur vollkommenen Abfallvermeidung zu nutzen. Produktionskreisläufe sollen so entworfen werden, dass eine Herstellung von Produkten ohne Schadstoffe ermöglicht wird. Ziel ist es dabei nicht, wie beim Konzept des konventionellen Umweltschutzes, die Umwelt durch ressourcenschonende und schadstoffarme Produktion weniger zu schädigen, sondern ihr aktiv zu nützen.
Der Schwerpunkt von „Cradle-to-Cradle“ liegt daher auf innovativem Produktionsdesign, bei dem die Produktion so verbessert wird, dass natur- und umweltunterstützende Produkte und Prozesse möglich werden. Anstatt Abfälle zu vermeiden, sollen Abfallprodukte in ihrer Gesamtheit als Rohstoffe dienen, oder als vollkommen schadstofffreie Zerlegprodukte wieder in den biologischen Kreislauf zurückfließen, und Gebrauchsgüter dauerhaft wiederverwendet werden. Gefährlicher Abfall, der eine Gefahr für Gesundheit und Umwelt darstellt, soll rasch durch Alternativen ersetzt werden. Ziel ist Konsum bei vollständiger Müllvermeidung, einschließlich des verschwenderischen Verbrauchs erneuerbarer Energien wie Sonne, Wind- oder Wasserkraft. Bei Gebrauchsgeräten wie dem Automobil soll dem Kunden beispielsweise nur die Dienstleistung „Autofahren/zurückgelegte Wegstrecke“ einschließlich Treibstoff, Wartung und Versicherung in Rechnung gestellt werden, beim Fernseher die Dienstleistung „Fernsehprogramm“ statt des heute vor allem schadstoffbelasteten Geräts. Dieses bleibt Eigentum des Herstellers und wird nach Abschluss der Nutzung zurückgenommen und wieder in seine biologisch abbaubaren oder wiederverwertbaren Rohstoffe zerlegt.
Der „Cradle-to-Cradle“-Ansatz beinhaltet außerdem eine innovative psychologische Komponente, da er den Menschen als ultimativ ökologisch nutzbringend, nicht als umweltgefährdenden Schadstoffverursacher betrachtet und seine Produktionsstrategien daran ausrichtet. Mehrere hundert Produkte wurden weltweit bereits nach dem „Cradle-to-Cradle“-Designkonzept entwickelt, so beispielsweise Teppichböden/Sitzpolster, die Feinstaub binden, statt Chemikalien auszudünsten. Nach Braungart definiert sich eine ökoeffektive Industrie dadurch, dass sie gleichzeitig ökonomische, ökologische und soziale Werte berücksichtigt und die Voraussetzungen schafft, auf Grundlage eines humanen, sicheren, profitablen und regenerativen Ansatzes “intelligente” und gesunde Produkte herzustellen.
Für die stark automobil- und maschinenbaudominierte Industrieregion Stuttgart bietet sich ein „Cradle-to-Cradle“ „Initiativcluster Redesign“ an, um ihre starken Position in Forschung und Entwicklung auszubauen und so nicht nur Wirtschaftsförderung in Zukunftstechnologien zu intensivieren, sondern auch zum Umwelt-, Verbraucher- und vorbeugenden Gesundheitsschutz beizutragen. Neben Unterstützung seitens der IG Metall und der Hans-Böckler-Stiftung hat auch die CDU im Baden-Württembergischen Landtag bereits einen Vorstoss unternommen, „Cradle-to-Cradle“ Produktionsdesign in der Textilindustrie zu fördern.
Für die Fraktion DIE LINKE
Christoph Ozasek Peter Rauscher
(Fraktionsvorsitzender) (stellvertretender Fraktionsvorsitzender)

