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Dringlichkeitsantrag: Stellungnahme des Verbands zu aktuellen Zweifeln an der Kapazität des S-21-Tiefbahnhofs

Dringlichkeitsantrag, eingebracht am 18.09.2026 zur Behandlung an den Verkehrsausschuss der Region Stuttgart am 30.09.2026.


Die Fraktion Linke.Piraten.SÖS beantragt:

Die Geschäftsstelle des Verbands Region Stuttgart bewertet die Aussagen des ehemaligen Stuttgart-21-Gutachters und Geschäftsführers der Schweizer Verkehrsberatungsfirma SMA, Werner Stohler, das von seiner eigenen Firma erstellte Gutachten[i] zu den Stresstest-Untersuchungen aus dem Jahr 2011, auf dessen Grundlage die Kapazität des Tiefbahnhofes berechnet wurde, sei inhaltlich wertlos[ii]

Außerdem soll dargelegt werden, welche Konsequenzen aus diesen Aussagen gezogen werden und welche Gespräche dazu mit den anderen Projektpartnern geführt werden. 

Reicht die Kapazität des Tiefbahnhofs nicht aus, muss dies sofortige Konsequenzen für den Fortbestand des Kopfbahnhofs als Kapazitätsergänzung haben. Daraus ergeben sich direkte Auswirkungen auf den Umfang der Instandhaltungsarbeiten, die in den nächsten Jahren für den Kopfbahnhof geplant sind und auch für die Störfallkonzepte der S-Bahn.


Begründung:

Im Interview für einen aktuellen Kurzfilm von Klaus Gietinger distanzierte sich der frühere Stuttgart-21-Gutachter Werner Stohler ausdrücklich vom Gutachten seiner Firma SMA zu den Stresstest-Untersuchungen aus dem Jahr 2011 zur Berechnung der Kapazität des geplanten Tiefbahnhofs.

Die Untersuchungen seien nicht unabhängig gewesen, sondern von der DB selbst durchgeführt und von der wirtschaftlich stark von der DB abhängigen Firma SMA lediglich begleitet worden. Aus diesem Gutachten hatten die S-21-Projektpartner 2011 die Legitimation hergeleitet, das Bauvorhaben weiterzuführen. Darüber hinaus hätte Stohler bereits 2011 starke Zweifel daran gehegt, dass der Tiefbahnhof ausreichend Kapazität bietet, um den geplanten Schienenverkehr zu bewältigen. Gemeinsam mit S-21-Schlichter Heiner Geißler hatte er 2011 den Kompromissvorschlag vorgelegt, den Fernverkehr durch einen unterirdischen Tiefbahnhof und den Nahverkehr weiterhin in den Kopfbahnhof zu führen[iii]

Damit verstärkt sich die von zahlreichen Sachverständigen seit Beginn der S-21-Bauarbeiten geäußerte Befürchtung weiter, dass die Kapazitäten des Tiefbahnhofs tatsächlich nicht ausreichen. Als Projektpartner muss der Verband Region Stuttgart hier schnellstmöglich Klarheit gewinnen. 

Eine Kombinationslösung in Form eines parallelen Betriebs von Tiefbahnhof und Kopfbahnhof ist dauerhaft möglich. Ein fortbestehender Kopfbahnhof würde nicht nur die Kapazitätsengpässe des Tiefbahnhofs ausgleichen, sondern unter Beibehalt der Gäubahn-Anbindung an den Kopfbahnhof auch das völlig unzureichende S-21-Störungskonzept bei Stammstrecken-Sperrungen der S-Bahn lösen. Da für den Kopfbahnhof zum Weiterbetrieb bis mindestens 2032 ohnehin umfangreiche Instandhaltungsarbeiten anstehen, ist nun die geeignete Zeit, ihn direkt für den dauerhaften Betrieb zu ertüchtigen, auch um die getätigten Investitionen – die Rede ist von 790 Millionen Euro[iv] – langfristig zu nutzen. Die geplanten Verkürzungen der "Fernwanderwege" am Hauptbahnhof würden den kombinierten Tief- und Kopfbahnhof verbinden. 

Wir beantragen daher einen ungeschönten Blick auf die Fakten als ersten Schritt und erwarten eine schnelle, realistische Neubewertung des aktuellen S-21-Konzepts.


[i] https://www.stuttgart.de/medien/ibs/Stresstest_Audit_Schlussbericht_1-00.pdf

[ii] https://www.swr.de/swraktuell/baden-wuerttemberg/stuttgart/s21-stresstest-gutachter-bezweifelt-eigene-berechnungen-100.html

[iii] https://www.stuttgart.de/leben/stadtentwicklung/bahnprojekt-stuttgart-ulm/historie-zu-stuttgart-21/stresstest

[iv] https://www.swr.de/swraktuell/baden-wuerttemberg/stuttgart/hauptbahnhof-stoerungen-immer-wieder-probleme-100.html

 

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