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Das Rad und die Region Stuttgart

Rede von Christoph Ozasek in der Regionalversammlung Stuttgart am 24.7.2019 zu TOP 1: Radsport-Großveranstaltungen in der Region Stuttgart in den Jahren 2020 und 2021 — Finanzielle Beteiligung

 

Herr Vorsitzender,
Werte Kolleg*innen

vor 200 Jahren von Karl Drais erfunden, bringt das Fahrrad weltweit Menschen und Güter effizient in Bewegung. Gäbe es heute einen Wettbewerb für das beste Produktdesign für menschenfreundliche Mobilität, das Fahrrad würde haushoch obsiegen und alle anderen technischen Lösungen in den Schatten stellen.

Immer mehr Städte besinnen sich, korrigieren die Fehlentwicklung des autogerechten Stadtumbaus und verteilen den Raum neu. Sie entschleunigen den Autoverkehr um den Umweltverbund zu beschleunigen. Sie entfernen straßenbegleitende Parkplätze um geschützte Radwege zu schaffen.

Sie konzipieren autofreie Stadtquartiere, bestens erschlossen durch ein Netz an Fahrradstraßen und optimal versorgt durch Cargo-Bikes. In Kopenhagen, Utrecht, Amsterdam, Straßburg, Paris mobilisiert die Politik
Menschen allen Alters und über alle sozialen Grenzen hinweg zur Fahrradmobilität. Es wird Zeit, dass die Region an diese guten Beispiele anknüpft und aus der Zuschauerrolle in die Macherrolle wechselt.

Denn in einer klimaneutralen „neuen Mobilitätskultur“ ist das Fahrrad unersetzlich. Keine Investition ist wirksamer um der Klimakatastrophe zu begegnen, als Geld für gute Radinfrastruktur bereitzustellen.

Mit der Bewerbung um die Deutschen Radmeisterschaften und die Deutschlandtour verbinden wir von der Fraktion DIE LINKE die Chance, die Region Stuttgart als Fahrradregion neu aufzustellen und dieses positive Image nachhaltig zu entwickeln.

Wir erinnern uns: Tausende Breitensportler*innen und Radsportbegeisterte erlebten während des Comeback der Deutschlandtour 2018 Radinfrastruktur in einer neuen Qualität. Denn Autostraßen wurden - zumindest temporär - zu „protected bike lanes“ und ermöglichten ein schnelles und stressfreies Fortkommen. Genau so, wie gute, alltagstaugliche Radinfrastruktur sein muss, aber noch lange nicht ist.

Inspiriert von Berlin forderten mit dem „Radentscheid“ in Stuttgart 35.000 Unterzeichner*innen: Gebt uns sicheren Verkehrsraum! Ein Befreiungsschlag gegen politische Untätigkeit und autofixierte Verkehrsplanung. Radfahrende akzeptieren nicht länger die Zustände auf hiesigen Straßen. Mit der Critical mass nehmen sie sich zu tausenden den Raum, der ihnen bislang verweigert wird.

Werte Kolleg*innen,
hochwertige Radinfrastruktur, wie wir sie aus den Niederlanden oder Dänemark kennen, markiert den Übergangsprozess von der Autoregion zur Region der menschenfreundlichen Mobilität. Bereits Adam Opel wusste:

„Bei keiner anderen Erfindung ist das Nützliche mit dem Angenehmen so innig verbunden, wie beim Fahrrad.“

Für unsere von Luftschadstoffen und allgegenwärtigem Straßenlärm geplagte Region trägt die Zweiradmobilität wesentlich zur Steigerung der Lebensqualität bei. Aber nur wenn Radinfrastruktur nicht als Restgröße
einer verfehlten Planung behandelt wird.

Die Regionalversammlung ist gefordert, die Entwicklung eines interkommunalen Radschnellwegenetz für die Pendlerverkehre zügig voranzutreiben, in diesem Sinne koordinierend zu wirken und alle beteiligten Akteure in einen ständigen Austausch zu bringen.

Wir sind als Aufgabenträgerin der S-Bahn gefordert, hohe Standards bei den Mobilitätsknotenpunkten zu setzen, sodass sich der Komfort für Radfahrende erheblich verbessert. Mit mehr Bike&Ride-Anlagen, Radbezogenen Services und der zügigen Ausweitung unseres Fahrradverleihsystems RegioRad.

Aber auch die digitale Vernetzung des Umweltverbunds auf einer multimodalen Mobilitätsplattform muss endlich angepackt werden.

Werte Kolleg*innen,
das Fahrrad ist eine Klimaschutzmaschine und macht glücklich. Das Fahrrad bringt Menschen klimaschonend in Bewegung und versetzt sie in Begeisterung.

Nutzen wir es.