„Bus on demand": Bedienungsmängel im Buslinienverkehr durch Flexibilisierung und Digitalisierung beheben
Antrag zu den Haushaltsberatungen 2017 am 21.10.2016
Ergebnis:
Zustimmung im Verkehrsausschuss am 16.11.2017.
„Bus on demand": Bedienungsmängel im Buslinienverkehr durch Flexibilisierung und Digitalisierung beheben
Die Fraktion DIE LINKE beantragt:
- Die Max-Planck-Gesellschaft und das Institut für Luft- und Raumfahrttechnik berichten zum Projekt „Ecobus“ und zum Reallabor-Pilotvorhaben in Schorndorf im Verkehrsausschuss. Es werden von der Verwaltung Möglichkeiten zur Kooperation ausgelotet und zu diesem Zweck mögliche Förderkanäle über laufende Programme der EU, des Bundes und des Landes geprüft. Die Verwaltung prüft zudem eine Modell-Kooperation mit den Aufgabenträgern für den Busverkehr, den Landkreisen und der Stadt Stuttgart. Zudem bitten wir um Darstellungen, wie die vorgenannten öffentlichen Verkehrsmittel in den VVS-Tarif integriert werden können.
- Der VVS berichtet über die technischen Möglichkeiten, „bus on demand“-Systeme und andere öffentliche Verkehrsmittel wie Taxen und Bürgerbusse in das Fahrgastinformationssystem und die VVS-App zu integrieren.
Begründung:
Trotz der Fortschritte durch das nun definierte Grundangebot im VVS und die ersten Schritte zu einem Nachtbus-/Nachttaxenangebot kann für die Kund_innen nicht von einem zum motorisierten Individualverkehr gleichwertigen Mobilitätsangebot gesprochen werden. Weder die Erschließung der Wohnplätze in der Fläche, noch die Linienbedienung in den Nebenzeiten sowie in der Nacht - insbesondere werktags - sind in ausreichendem Maß entwickelt. Falls überhaupt ein öffentliches Verkehrsangebot zwischen Abfahrtsort und Ziel besteht, so sind die Reisezeiten häufig unattraktiv und mit langen Wegstrecken verbunden („Letzter Kilometer“). Auch für die Aufgabenträger ist die Linienbedienung in diesen Zeiten im Regelfall aufgrund der geringen Nachfrage unrentabel. Damit deckt das Verkehrsangebot im VVS nicht alle Mobilitätsbedürfnisse ab. Das gilt insbesondere für Menschen in der Schicht- und Nachtarbeit. In Eigenentwicklergemeinden liegt der Anteil des Öffentlichen Verkehrs am Modal Split bis heute bei mageren 6,5 %. Dieser Problematik könnte man durch innovative Ansätze zur Flexibilisierung des Linienbetriebs begegnen.
In Südniedersachsen erprobt die Max-Planck-Gesellschaft mit dem von Seiten der EU und des Bundes geförderten Projekt „Ecobus“ ab 2018 die Vernetzung einer Kleinbusflotte mit flexiblen Haltepunkten jenseits starrer Linienbedienung, in Verbindung mit der digitalen Echtzeit-Koordination zwischen Bus-Flotte und Fahrgastanfrage. Damit soll eine Forschungslücke über eine nachfrageorientierte Betriebsart geschlossen werden, in der im Gegensatz zu klassischen Rufbussystemen pro Bus gleichzeitig viele Fahrgäste transportiert werden.
Link: http://ecobus.fokos.info
Auch in Schorndorf läuft gegenwärtig ein mit 1,2 Millionen Euro gefördertes Reallabor-Pilotvorhaben zur Beseitigung innerörtlicher Bedienungsmängel durch ein bedarfsorientiertes Quartiersbussystem ohne Haltestellen unter Leitung des Instituts für Luft- und Raumfahrttechnik.
Link: bit.ly/2ecgCS1
Auch Modelle eines flexibilisierten ÖV-Angebots in Nachtzeiten mit Großraumtaxen wären eine denkbare und mit überschaubaren Kosten verbundene Variante, um in Rand- und Nachtzeiten ein Leistungsangebot innerhalb des VVS vorzuhalten. Die Antragsteller sind der Auffassung, dass die Region bei innovativen Mobilitätslösungen wie „bus on demand“ eine aktive Rolle einnehmen sollte.

