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Badegewässer-Strategie für die Region

Antrag zum Regionalhaushalt 2022, eingebracht am 18.9.2021.


Die Regionalfraktion DIE LINKE/PIRAT beantragt:

  1. Die Geschäftsstelle erarbeitet einen Sachstandsbericht zu den Badeseen und Badegewässern in der Region und stellt die jeweilige Erreichbarkeit mittels ÖPNV und Fahrrad dar.
  2. Die Geschäftsstelle identifiziert in Zusammenarbeit mit der Landesfachverwaltung Potenzialräume, die geeignet erscheinen, im Zuge von Renaturierungsmaßnahmen oder Maßnahmen zur landschaftsgestalterischen Aufwertung zusätzliche Badegewässer (gemäß BadegVO) anzulegen.
  3. Die hierfür notwendigen Kosten werden von der Verwaltung beziffert und in den Haushalt eingestellt.

 

Begründung:

Von etwa 300 Badegewässern in Baden-Württemberg finden sich nur etwa ein Dutzend in der hochverdichteten Region Stuttgart und ihrer näheren Umgebung. Elf dieser Gewässer (u.a. der Aileswasensee bei Neckartailfingen, der Badesee Plüderhausen oder die Bürgerseen Kirchheim unter Teck) wurden 2020 von der Europäischen Umweltagentur EEA geprüft und fast allen wurde eine exzellente Wasserqualität bescheinigt. Die von der EEA überwachten Badegewässer in der Region Stuttgart verteilen sich dabei aber nur auf drei der sechs Landkreise (Rems-Murr, Esslingen und Ludwigsburg). In den Kreisen Stuttgart, Böblingen und Göppingen prüft die EEA keine Badegewässer[1]. Eine Übersicht über Badegewässer in der Region einschließlich Wasserqualität, Nutzungsmöglichkeiten und Freizeitangebote bietet die Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg[2].

Bereits vor der Covid-19-Pandemie waren die wenigen vorhandenen Badegewässer wie beispielsweise der zentral gelegene Aileswasensee bei Neckartailfingen stark nachgefragt und meist völlig übernutzt. Der Mangel an naturnahen Badegewässern ist offensichtlich. Angesichts der massiven Klimaveränderungen in der Region, mit thermischem Hitzestress und anhaltender Trockenheit, die sich in den kommenden Jahren rasant verstärken werden, würde die Ausweisung weiterer Badeseen zur Erholung von den Auswirkungen in der Region Stuttgart beitragen. Zusätzlich könnten Badeseen hinsichtlich der steigenden Starkregen- und Hochwassergefahren eine wichtige Schutzfunktion einnehmen und so die Widerstandsfähigkeit der Siedlungsstrukturen gegen Multigefahren der Klimakrise stärken.

Anbieten würden sich hier aus Sicht der Regionalfraktion DIE LINKE/PIRAT folgende Aspekte: Zum einen die Nutzung von im Regionalplan ausgewiesenen Abbaugebieten oberflächennaher Rohstoffe (wie Steine und Erden), für die ohnehin Renaturierungspläne zu erstellen sind. Hier könnten – wie in anderen Landesteilen geschehen – Baggerseen angelegt und multifunktional gestaltet werden, um auch der Naherholung in der Region zu dienen. Die Landesanstalt für Umweltschutz Baden-Württemberg attestiert solchen als Badeseen ausgewiesenen Baggerseen in der Regel günstige hygienische Zustände, warnt allerdings explizit vor Übernutzung und Anlage seenaher Campingplätze oder Bebauungsbestrebungen[3].

Auch deshalb ist für uns wichtig, dass Badeseen mit dem Fahrrad oder ÖPNV gut erreichbar und entsprechende Wegweiser vorhanden sind. In diesem Zusammenhang stellt sich auch die Frage nach sicheren und witterungsgeschützten Fahrradabstellanlagen.

Darüber hinaus könnten die Masterpläne für den Landschaftspark herangezogen werden, um weitere mögliche Standorte für neue Badegewässerabschnitte zu identifizieren. Gerade hier wäre die multifunktionale Zusammenführung von Hochwasserschutz, Biodiversität und ausgewiesenen Badestellen ideal.

 


[1] https://www.stuttgarter-nachrichten.de/inhalt.badegewaesser-in-baden-wuerttemberg-badespass-steht-nichts-entgegen.5b5e7663-2010-42ab-ac0d-37118456d3c0.html.

[2] https://udo.lubw.baden-wuerttemberg.de/public/pages/map/default/index.xhtml?mapId=c88fdd73-9bb4-4634-bb2f-58e422d25b4f&overviewMapCollapsed=false&mapSrs=EPSG%3A25832&mapExtent=233217.45106843236%2C5244108.83183852%2C764330.0092079672%2C5527368.862846272.

[3] Landesanstalt für Umweltschutz Baden-Württemberg, Kiesgewinnung und Wasserwirtschaft: Empfehlungen für die Planung und Genehmigung des Abbaues von Kies und Sand, Oberirdische Gewässer, Gewässerökologie 88, Karlsruhe, 2004, S. 46/47.