Azubi-Ticket im VVS
Antrag zur Haushaltsberatung 2016 im Verkehrsausschuss
Ergebnis:
Antrag angenommen zusammen mit V.06, V.14, V.27 in einer Sondersitzung des VKA am 11.11.2015.
Der Verkehrs- und Tarifverbund Stuttgart (VVS) führt zum 1. September 2016 das Azubi-Abo für 59 Euro pro Monat ein.
Antrag zur Haushaltsberatung 2016 im Verkehrsausschuss
Die Fraktion DIE LINKE beantragt:
1. Der Verband Region Stuttgart befürwortet die möglichst rasche Einführung eines
regions- und netzübergreifend gültigen, finanziell attraktiven und an den Konditionen
des existierenden Studi-Tickets orientierten Azubi-Tickets für Auszubildende,
Praktikanten/Volontäre sowie für Absolvent_innen eines sozialen Jahres und ähnlicher
berufsvorbereitender, überbrückender und gemeinnütziger Tätigkeiten. Die
Ticketbedingungen müssen sich insbesondere an den ausbildungsspezifischen
Rahmenbedingungen und an der verkehrlichen Anbindung der Berufsschulen
orientieren. Hierzu bietet sich eine Zusammenarbeit mit der DGB-Jugend an, die sich
in ihren jährlichen Ausbildungs-Reports sehr intensiv mit den Ausbildungs- und
Lebensrealitäten von Auszubildenden auseinandersetzt.
2. Die Vertreter_innen des VRS im VVS setzen sich für eine entsprechende Initiative
des VVS ein.
3. Der VVS wird aufgefordert, ein Finanzierungskonzept auszuarbeiten und hierbei
insbesondere die Möglichkeit einer am bestehenden Firmenticket orientierten
Arbeitgebermitfinanzierung zu prüfen. Wir bitten um den entsprechenden Bericht
zur VVS-Verkehrsklausur.
Begründung:
Beim bestehenden VVS-Monatsticket für Auszubildende sind Azubis finanziell und von der Reichweite des Tickets her gegenüber Studierenden mit Studi-Ticket und Schülern mit Scool-Abo deutlich benachteiligt. Trotz eines signifikant niedrigeren Bruttomonatseinkommens - laut Ausbildungsreport 2014 des DGB durchschnittlich 670€, mit starken branchenbedingten Unterschieden, die von unter 250€ bis über 1.000€ reichen - sind Auszubildende im Einzugsgebiet des VVS im Vergleich kaum besser gestellt als voll Erwerbstätige mit bezuschusstem Firmenticket. Hohe ÖPNV-Kosten belasten daher in besonderem Maße junge Menschen in niedrig bezahlten Ausbildungsberufen sowie Absolvent_innen eines sozialen Jahres, die lediglich Taschengeld erhalten, und unbezahlte Praktikant_innen.
Im Durchschnitt legen Azubis zum Arbeitsort und zu den oft ohne Rücksicht auf Erreichbarkeit zugeteilten Berufsschulen mit 2,6 Zonen beträchtliche Wegstrecken zurück, und mit jeder zusätzlichen Zone vergrößert sich die Gerechtigkeitslücke weiter. Während das zonenabhängige Azubi-Monatsticket aktuell zwischen Wohnort, Berufsschule und Arbeitsplatz gilt und zur netzweiten Gültigkeit eine zusätzliche kostenpflichtige Netzwertmarke erfordert, gelten Scool-Abo und Studiticket für das gesamte Netz, das Studi-Ticket mit Anschlussmarke sogar noch über die Netzgrenzen hinaus.
Ein an den Ausbildungsrealitäten und am eingeschränkten Finanzspielraum orientiertes Auszubildenden-Ticket ist darüber hinaus mehr als nur eine reine Gerechtigkeitsfrage. In Zeiten des sogenannten Fachkräftemangels und der Tendenz zum Studium kann ein attraktives und faires Azubi-Ticket sowohl die Attraktivität des Systems der dualen Ausbildung als auch die Attraktivität des VVS für Auszubildende erhöhen, und damit einen Wirtschaftsfaktor für die Region darstellen. Auch der VVS selbst bescheinigt „Luft nach oben“ was die Nutzungszahlen des ÖPNV durch Auszubildende angeht.
Für die Fraktion DIE LINKE
Christoph Ozasek Wolfgang Hoepfner
(Fraktionsvorsitzender) (Mitglied des Verkehrsausschusses)

