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Antrag: 1. Klasse in der S-Bahn

Antrag zu den Haushaltsberatungen 2019 im Bereich Verkehr am 22.10.2018

ERGEBNIS:

Zustimmung zu Punkt (1) am 5.12.2019 in der Regionalversammlung Stuttgart. Zu Punkt (2) Alternativer Vorschlag der Geschäftsstelle:

Über das weitere Vorgehen soll nach der Berichterstattung zu Punkt 1. entschieden werden.

Nach Berichterstattung im Verkehrsausschuss am 22.5.2019 wird beschlossen, über das Thema Innenausstattung der S-Bahnen (einschließlich 1. Klasse) vor Bestellung der nächsten S-Bahnzüge nochmals im Verkehrsausschuss zu beraten. Der Antrag wird für erledigt erklärt.

 
Antrag zum Haushalt 2019:

1. Klasse in der S-Bahn

Die Fraktion DIE LINKE beantragt:

Die Verwaltung wird beauftragt, zur Vorberatung im Verkehrsausschuss die Nutzungszahlen sowie den Auslastungsgrad der 1. Klasse in der S-Bahn darzustellen, insbesondere während der Hauptverkehrszeiten. Die zusätzlichen Einnahmen der 1. Klasse im VVS-Bereich sind ebenfalls auszuweisen, soweit sie abgrenzbar sind.

Die Verwaltung ergreift die notwendigen Schritte, damit die 1. Klasse in den S-Bahn-Zügen künftig entfällt und die abgetrennten Bereiche der 1. Klasse Fahrgästen mit besonderen Bedürfnissen bzw. allen Fahrgästen zur Verfügung stehen, etwa als Ruhe- oder Rückzugsabteil.


Begründung:

Der Fraktion DIE LINKE sind die Vorzüge der 1. Klasse in der S-Bahn durchaus bewusst. Im S-Bahn-System bietet sie einen begrenzten Rückzugsort von Lärm und Überfüllung, und garantiert auch während der Hauptverkehrszeiten einen Sitzplatz - zumindest für diejenigen, die es sich leisten können. Im Gegenzug wird das Platzangebot in der Standardklasse eingeschränkt, und führt dort zu noch mehr Überfüllung.

Es gibt regelmäßig Feststellungen, dass die Abteile der 1. Klasse in der S-Bahn selbst während der Hauptverkehrszeiten nicht beziehungsweise nicht vollständig genutzt werden. Es ist daher nur schlecht vermittelbar, dass diese Abteile auch bei großer Enge oder bei Zugausfällen und Betriebsstörungen nicht zur Entlastung genutzt werden dürfen. Daher fordern wir die Erhebung objektivierbarer Auslastungszahlen, um über die Zukunft der 1. Klasse auch im Hinblick auf künftige S-Bahn-Beschaffungen entscheiden zu können.

Auch bewegen sich die Preise des VVS bereits ohne 1. Klasse auf einem sehr hohen Niveau, sodass sich viele Menschen mit geringem Einkommen diese Plätze schon jetzt nicht leisten können. Die Abschaffung der 1. Klasse im VVS wurde bereits 2013 im Bürgerhaushalt der Stadt Stuttgart beraten und mit knapp 80% Zustimmung der Befragten sehr positiv beurteilt.

Eine 1. Klasse in S-Bahn-Systemen ist überdies keine Selbstverständlichkeit. In mehreren Verkehrsverbünden mit S-Bahn-System gibt es keine 1. Klasse – sei es, dass sie nie eingeführt wurde (z.B. in Nürnberg), oder aber, dass sie im Laufe der Zeit ganz oder teilweise abgeschafft wurde.

Für die Abschaffung sprechen oft finanzielle Gründe. So erwies sich die 1. Klasse in den Hamburger S-Bahnen nach Umstellung der Fahrgeldeinnahmen auf tatsächlich beförderte Fahrgäste statt Gesamtkapazität als deutlich defizitär. Hier subventionierten bis zur Abschaffung im November 2000 die Fahrgäste in der 2. Klasse mit ihren Tickets die vielen freien Plätze in der 1. Klasse. In Köln begründete der Zweckverband Nahverkehr Rheinland (NVR) 2016 nach einer mehrmonatigen Erprobungsphase die Abschaffung auf mehreren S-Bahn-Linien mit durchschnittlichen Auslastungszahlen in der 2. Klasse von 90% (in Spitzenzeiten sogar weit über 100%), in der 1. Klasse dagegen von nur 12,5%.

Fahrgäste in der S-Bahn legen darüber hinaus generell kürzere Strecken zurück als in Fernzügen. Auch lassen sich die relativ kleinen 1.-Klasse-Kabinen in den S-Bahnen des VVS kaum zum vertieften Arbeiten nutzen. Stattdessen könnten sie jedoch Passagieren mit besonderen Bedürfnissen als Ruhe- oder Rückzugsabteile dienen, z.B. Schwangeren. Schon jetzt werden nicht selten bei Fahrten zu Stuttgarter Innenstadtfestivitäten oder Fußballspielen keine S-Bahn-Züge mit 1.-Klasse-Abteilen zur Verfügung gestellt, um Verschmutzungen und Beschädigungen durch Vandalismus zu vermeiden. Eine Abschaffung wäre daher nur konsequent.