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Rede zum Metropolkongress

Rede von Michael Knödler (PIRAT) in der Regionalversammlung Stuttgart am 26.10.2022 zu TOP 3: Metropolkongress, der am 20.09.2022 in Heilbronn stattfand.


 

Sehr geehrter Herr Regionaldirektor Lahl, sehr geehrter Herr Vorsitzender Bopp, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Mit Spannung erwartete ich den Besuch meines ersten Metropolkongress in Heilbronn. Zu meinem Bedauern jedoch entpuppte er sich eher als eine Altherren-Veranstaltung. Auf dem Podium waren nur alte weiße Herren aus dem konservativen Spektrum vertreten, dies muss ich selbst als nicht mehr ganz junger weißer Mann kritisieren. Die einzige Ausnahme war die Rede der Ministerin Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut. Die Metropolregion ist vielfältig, international und divers. Im Gegensatz zur Agenda, die an die 1970er Jahre erinnert, die aus der Mottenkiste entspringt. (Stichwort: Wachstum! Straßenbau!)

Wie soll eine solche Veranstaltung die Europäischen Metropolregion Stuttgart (EMRS) zukunftsfähig machen, wenn sie ausschließlich von Charakteren der Vergangenheit bespielt wird? Da hätte ich mir gerne mehr Durchmischung gewünscht.

Ebenso bedauerlich war, dass es sich um eine reine oberflächliche Frontalveranstaltung handelte. Wünschenswert wäre eine Aufteilung in Arbeitsgruppen gewesen, in der intensivere Diskussion und vertiefte Berichterstattung hätten stattfinden können und auch Rückfragen möglich gewesen wären.

Stellenweise wirkten die Vortragenden etwas planlos. Beim Vortrag der AG Künstliche Intelligenz wurde vorgestellt, wie man mit Künstlicher Intelligenz gezielt Unkraut düngen kann. Gemeint waren wohl eher Herbizide. Das lässt schon etwas an der menschlichen Intelligenz zweifeln.

 Landrat Dr. Joachim Bläse meinte, man könne in seinem Kreis keinen Wasserstoff erzeugen, denn der Ostalbkreis hätte kein Wasser. Dabei wird aktuell in Schwäbisch Gmünd mit H2-Aspen, welches zum Hy Five Projekt gehört, eine Anlage zur Produktion von Wasserstoff errichtet. Dort sollen täglich bis zu 4 Tonnen grüner Wasserstoff erzeugt werden.

Tatsächlich benötigt es 9kg Wasser, um 1kg Wasserstoff zu erzeugen, damit kommt man aber ca. 100 km weit mit einem Auto.

Dagegen hat die AG Identität unter Leitung von Dr. Walter Rogg, wie man es von ihm gewohnt ist, einen sehr fundierten Bericht aus Zahlen und Fakten geliefert.

Es wäre aber auch schön gewesen, wenn es alle AGs geschafft hätten, einen schriftlichen Bericht zu liefern.

Laut den vorgelegten Berichten steht die Metropolregion gut da: als Exportweltmeister, Weltmarktführer in vielen Bereichen, sowie mit einem hohen Anteil an MINT Studierenden an ihren Universitäten.

Jedoch blieb trotz allem die Frage offen, ob und wie die Europäische Metropolregion Stuttgart die Transformation in die Zukunft meistern wird.

Was mir persönlich vor allem gefehlt hat, waren Zukunftsthemen wie Klimaschutz und Öffentlicher Nahverkehr in der Metropolregion.

Beim Pendeln zwischen zwei Verkehrsverbünden (oder zwei Metropolregionen!) muss man gegenwärtig noch immer doppelt bezahlen, gleichwohl das 49-Euro-Ticket hier voraussichtlich zumindest temporär Abhilfe schaffen wird.

Ein Höhepunkt der Veranstaltung waren die Informationsstände im Foyer, bei denen man sich vor allem über Innovationen zum Thema Wasserstoff informieren konnte.

Insgesamt halte ich die Veranstaltung für deutlich verbesserungswürdig. Die Zusammenarbeit mit den Nachbarregionen bleibt weiterhin wichtig.